Liquiditätsgrad 1 (Cash Ratio) für KMU
Der Liquiditätsgrad 1 ist die strengste Liquiditätskennzahl und zeigt die unmittelbare Zahlungsfähigkeit. Erfahren Sie, wie Sie ihn berechnen und welche Werte gesund sind.

Zahlungsfähigkeit ist für jedes Unternehmen überlebenswichtig. Selbst profitable Betriebe können in Schwierigkeiten geraten, wenn Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlt werden können. Der Liquiditätsgrad 1 – auch Cash Ratio oder Barliquidität genannt – misst genau diese kurzfristige Zahlungsfähigkeit.
Was ist der Liquiditätsgrad 1?
Der Liquiditätsgrad 1 zeigt, in welchem Umfang Ihr Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten allein aus den flüssigen Mitteln decken könnte. Zu den flüssigen Mitteln zählen Kassenbestand, Bankguthaben und kurzfristig veräusserbare Wertpapiere.
Diese Kennzahl ist der strengste der drei Liquiditätsgrade. Sie berücksichtigt ausschliesslich das Geld, das sofort verfügbar ist – ohne Forderungen oder Vorräte einzubeziehen.
Warum ist der Liquiditätsgrad 1 wichtig?
Für KMU ist die kurzfristige Liquidität oft entscheidender als die langfristige Profitabilität. Lieferanten, Löhne und Steuern müssen termingerecht bezahlt werden. Wer hier in Verzug gerät, gefährdet schnell die Geschäftsbeziehungen und kann in eine ernsthafte Krise rutschen.
Der Liquiditätsgrad 1 hilft Ihnen, einen realistischen Eindruck Ihrer aktuellen Zahlungsfähigkeit zu gewinnen. Banken verwenden diese Kennzahl ebenfalls häufig bei der Kreditbeurteilung.
Berechnung des Liquiditätsgrads 1
Die Formel ist einfach: Sie teilen die flüssigen Mittel durch das kurzfristige Fremdkapital und multiplizieren das Ergebnis mit 100. Als kurzfristiges Fremdkapital gelten alle Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von unter einem Jahr – beispielsweise Kreditorenverbindlichkeiten, Steuerschulden oder kurzfristige Bankkredite.
Ein konkretes Beispiel
Nehmen wir an, Ihr Unternehmen verfügt über 80'000 Franken an flüssigen Mitteln. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten betragen 400'000 Franken. Der Liquiditätsgrad 1 errechnet sich folgendermassen: 80'000 geteilt durch 400'000 mal 100 ergibt 20 Prozent.
Das bedeutet, dass Sie 20 Prozent Ihrer kurzfristigen Schulden sofort aus eigenen Mitteln begleichen könnten. Für die restlichen 80 Prozent müssten Sie auf Forderungen, Vorräte oder weitere Finanzierungsquellen zurückgreifen.
Welcher Wert ist gut?
Als Faustregel gilt: Der Liquiditätsgrad 1 sollte zwischen 10 und 30 Prozent liegen. Ein zu niedriger Wert kann auf akute Zahlungsschwierigkeiten hindeuten. Ein deutlich zu hoher Wert ist allerdings ebenfalls nicht ideal – er zeigt, dass Ihr Unternehmen möglicherweise zu viel Kapital ungenutzt auf Konten liegen hat, statt es produktiv einzusetzen.
Wichtig ist, dass der Liquiditätsgrad 1 alleine kein vollständiges Bild ergibt. Er sollte immer im Zusammenspiel mit den Liquiditätsgraden 2 und 3 sowie dem Cashflow betrachtet werden.
Grenzen der Kennzahl
Der Liquiditätsgrad 1 ist eine reine Momentaufnahme der Bilanz. Saisonale Effekte, Zahlungseingänge kurz vor dem Stichtag oder einmalige Sondereffekte können das Bild stark verzerren. Auch berücksichtigt er nicht, ob in den kommenden Wochen erhebliche Zahlungseingänge oder -ausgänge anstehen.
Eine kontinuierliche Liquiditätsplanung – über die reine Stichtagsbetrachtung hinaus – ist deshalb für KMU unverzichtbar. Findea unterstützt Sie gerne dabei, Ihre Liquidität laufend zu überwachen und vorausschauend zu planen.
Der komplette Leitfaden im Überblick
Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Themenserie zu den wichtigsten Finanzkennzahlen für Schweizer KMU. Im kompletten Leitfaden zu den 10 wichtigsten Finanzkennzahlen für KMU finden Sie alle Kennzahlen auf einen Blick – von Rentabilität über Liquidität bis hin zur Finanzierungsstruktur.
Formel: Liquiditätsgrad 1 (Cash Ratio)
Liquiditätsgrad 1 (%) = (Flüssige Mittel ÷ Kurzfristiges Fremdkapital) × 100
Flüssige Mittel = Kasse + Bankguthaben + kurzfristig veräusserbare Wertpapiere
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