Liquiditätsgrad 2 (Quick Ratio) einfach erklärt
Der Liquiditätsgrad 2 ist die in der Praxis meistgenutzte Liquiditätskennzahl. Erfahren Sie, wie er sich vom Liquiditätsgrad 1 unterscheidet und welche Rolle das Forderungsmanagement spielt.

Der Liquiditätsgrad 2, international auch als Quick Ratio bekannt, ist eine der wichtigsten Kennzahlen zur Beurteilung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens. Im Vergleich zum Liquiditätsgrad 1 berücksichtigt er zusätzlich auch die kurzfristigen Forderungen – das macht ihn realistischer und in der Praxis besonders relevant.
Was ist der Liquiditätsgrad 2?
Der Liquiditätsgrad 2 zeigt, ob Ihr Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten aus den flüssigen Mitteln und kurzfristig einbringbaren Forderungen decken könnte. Im Gegensatz zum Liquiditätsgrad 3 werden Vorräte bewusst ausgeklammert – sie sind in einer Krisensituation oft schwer zu verwerten.
Diese Kennzahl ist besonders aussagekräftig, weil Forderungen im normalen Geschäftsverlauf zeitnah zu Liquidität werden. Sie gibt Ihnen damit ein realistisches Bild Ihrer kurzfristigen Zahlungsfähigkeit.
Warum ist der Liquiditätsgrad 2 wichtig?
Für KMU ist der Liquiditätsgrad 2 die in der Praxis am häufigsten genutzte Liquiditätskennzahl. Banken, Investoren und Lieferanten ziehen ihn häufig zur Beurteilung der finanziellen Stabilität heran. Auch im Rahmen von Kreditprüfungen ist der Quick Ratio eine zentrale Grösse.
Im Gegensatz zum Liquiditätsgrad 1 ist er weniger streng, aber dennoch konservativ – ein guter Kompromiss zwischen Aussagekraft und Realitätsnähe.
Berechnung des Liquiditätsgrads 2
Sie addieren die flüssigen Mittel und die kurzfristigen Forderungen, teilen das Ergebnis durch das kurzfristige Fremdkapital und multiplizieren mit 100. Zu den kurzfristigen Forderungen gehören primär Debitorenforderungen mit einer Restlaufzeit von unter einem Jahr.
Ein konkretes Beispiel
Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen verfügt über 80'000 Franken flüssige Mittel und 220'000 Franken offene Debitorenforderungen. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten betragen 400'000 Franken. Der Liquiditätsgrad 2 berechnet sich wie folgt: (80'000 + 220'000) geteilt durch 400'000 mal 100 ergibt 75 Prozent.
Das bedeutet, dass Sie drei Viertel Ihrer kurzfristigen Schulden aus flüssigen Mitteln und Forderungen begleichen könnten – ein solider Wert.
Welcher Wert ist gut?
Als Faustregel gilt: Der Liquiditätsgrad 2 sollte mindestens 100 Prozent betragen. Das bedeutet, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten vollständig aus flüssigen Mitteln und Forderungen gedeckt sind. Werte zwischen 100 und 130 Prozent gelten als gesund. Werte deutlich unter 100 Prozent können auf potenzielle Zahlungsschwierigkeiten hindeuten und sollten genauer analysiert werden.
Werte deutlich über 150 Prozent sind nicht automatisch positiv – sie können darauf hinweisen, dass Forderungen ineffizient eingezogen werden oder zu viel Kapital ungenutzt bleibt.
Grenzen der Kennzahl
Der Liquiditätsgrad 2 setzt voraus, dass die ausgewiesenen Forderungen tatsächlich zeitnah und vollständig eingehen. In der Realität kann es jedoch zu Zahlungsausfällen oder Verzögerungen kommen. Ein hoher Liquiditätsgrad 2 ist daher nur dann aussagekräftig, wenn auch das Debitorenmanagement funktioniert.
Wichtig ist zudem die Qualität der Forderungen: Überfällige oder zweifelhafte Forderungen sollten in einer realistischen Analyse abgewertet werden. Findea unterstützt Sie gerne dabei, Ihre Liquiditätssituation differenziert zu betrachten und die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Der komplette Leitfaden im Überblick
Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Themenserie zu den wichtigsten Finanzkennzahlen für Schweizer KMU. Im kompletten Leitfaden zu den 10 wichtigsten Finanzkennzahlen für KMU finden Sie alle Kennzahlen auf einen Blick – von Rentabilität über Liquidität bis hin zur Finanzierungsstruktur.
Formel: Liquiditätsgrad 2 (Quick Ratio)
Liquiditätsgrad 2 (%) = ((Flüssige Mittel + Kurzfristige Forderungen) ÷ Kurzfristiges Fremdkapital) × 100
Vorräte werden bewusst ausgeklammert
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